Von der Landkarte zum Navi

Warum wir Strategiearbeit radikal neu denken müssen.

Starten Sie Ihre Strategiearbeit immer noch mit einem starren Plan für die nächsten fünf Jahre? Unsere These: In einer Welt der Polykrisen und disruptiven Veränderungen reicht die reine Planung, die sich starr über mehrere Jahre hält, nicht mehr aus. Wir müssen uns von der klassischen „Planungsschule“ verabschieden und uns hin zur „Lernschule“ entwickeln. Doch was bedeutet das konkret für Unternehmen?

Lernen als Überlebensstrategie, nicht als „Nice-to-have“

Lernen wird in Unternehmen oft als nettes Extra oder reine Personalentwicklungsmaßnahme abgetan. Dabei ist es heute der eigentliche Treibstoff für den unternehmerischen Erfolg. Die Gründe dafür liegen auf der Hand:

  • Wissensexplosion & KI: Was heute „State of the Art“ ist, kann morgen schon veraltet sein. Die KI-Revolution erfordert ein völlig neues Mindset.
  • Demografischer Wandel: Da Belegschaften älter werden, wird kontinuierliches Re- und Upskilling zur existenziellen Frage.
  • War for Talents: Eine lernförderliche Kultur wirkt magnetisch auf High Potentials.

Unternehmen müssen lernen, sich wie ein Weidenbaum im Sturm zu biegen und weiterzuwachsen, anstatt wie sprödes Holz unter dem Druck der Krisen zu brechen.

Der Paradigmenwechsel: Von der Planungsschule zur Lernschule

Henry Mintzberg unterschied bereits 1999 verschiedene Strategie-Schulen. Die klassische Planungsschule – mit rationalen Tools und Top-Down-Vorgaben – funktioniert wunderbar in stabilen, berechenbaren Welten. Doch diese Welt existiert nicht mehr. Als wirksamer erweist sich die Lernschule für die strategische Planung. Hier wird Strategie nicht „verordnet“, sondern entsteht emergent aus dem System heraus. Durch iterative Schleifen und Diskussionen über Abteilungsgrenzen hinweg entwickeln Teams ein Verständnis für das Gesamtsystem. Strategie wird so zu einem kontinuierlichen Lernprozess, an dem viele Köpfe beteiligt sind. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Wenn Mitarbeitende den Bedarf für Veränderungen selbst erkennen, statt ihn diktiert zu bekommen, steigt die intrinsische Motivation zur Umsetzung massiv an.

Das Bild der Zukunft: Landkarte vs. Navigationssystem

Um den Unterschied greifbar zu machen, nutzen wir eine treffende Analogie:

  • Die alte Welt (Landkarte): Sie planen eine Route im Voraus und fahren diese konsequent ab, egal was passiert. Das entspricht dem klassischen Fünfjahresplan.
  • Die neue Welt (Navigationssystem): Die Lernschule agiert wie ein modernes Navi. Es verarbeitet permanent Live-Daten (Marktveränderungen, neue Technologien). Meldet das System einen „Stau“ oder eine „Sperrung“, wird die Route in Echtzeit angepasst. Das Beste daran: Aus jedem Umweg lernt das System für die Zukunft.

Kollektive Intelligenz statt Silo-Denken

Ein zentraler Punkt ist, dass Lernen nicht mehr nur individuell stattfindet (jemand besucht ein Seminar), sondern kollektiv. Wahre Innovation entsteht, wenn Silos aufgebrochen werden und Abteilungen gemeinsam Probleme reflektieren und ko-kreativ Lösungen entwickeln.

Gleichzeitig bedeutet Strategiearbeit in der Lernschule auch Verlernen. Alte Erfolgsrezepte, die das Unternehmen hierher gebracht haben, funktionieren in Zukunft vielleicht nicht mehr. Es braucht den Mut, mentale Modelle zu hinterfragen und loszulassen.

Fazit: Drei Impulse für Ihre Strategiearbeit

Nehmen Sie diese drei Gedanken mit in Ihren nächsten Strategie-Zyklus:

  1. Lernen ist Chefsache: Es ist keine Kür, sondern die wichtigste Überlebensstrategie Ihres Unternehmens.
  2. Nutzen Sie das Schwarmwissen: Echter Erfolg braucht kollektive Intelligenz statt Inselwissen einzelner Experten.
  3. Bleiben Sie beweglich: Ihre Strategie ist kein in Stein gemeißelter Plan, sondern ein lebendiger Prozess, der sich durch ständiges Lernen anpasst.

Wenn sie unsere Gedanken dazu diesmal auch Hören möchten: Hier ein passender Link zu einer Podcastfolge der „Essentials on Strategy“ (von Gernot Mödritscher und Ursula Liebhart).

Mehr erfahren?

Lesen Sie auch die ersten Beiträge dieser Blog-Serie:

Wie Strategiearbeit heute gestaltet werden sollte

Strategiearbeit mit Agilität und Momentum

Das Buch „Strategisches Roadmaps“ bietet einen systematischen Ansatz zur Umsetzung von Strategien und behandelt ausführlich Themen wie die Entwicklung strategischer Roadmaps, die Steuerung von Projekten, die Konkretisierung von Projekten basierend auf dem Geschäftsmodell sowie die Integration unterstützender Change-Prozesse. Eine durchgängige Fallstudie zu den verschiedenen Themen erleichtert den Praxistransfer.

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