Mit drei Fokussen systemische Kräfte erkennbar machen

Systemische Kräfte sind unsichtbar, haben aber eine grosse Wirkung auf Organisationen und Teams. Sie können Systeme destabilisieren, verwirren und unproduktiv werden lassen. Wenn wir lernen, sie zu erkennen und in unser Handeln einzubinden, dann wird’s plötzlich leicht. Entwicklungsschritte werden klar und die nötige Ausrichtung für die aufkommende Zukunft wird deutlich. Die drei Fokusse ermöglichen auch anzuerkennen, was ist. Menschen haben einen feinen Radar für systemische Kräfte, die drei Fokusse geben in dem Sinne auch eine Sprache für das, was wir alle erspüren können.

Das Systemverständnis

Wir verstehen Systeme als aus einzelnen Elementen bestehend. Das Zusammenspiel der Elemente bildet sich zu Mustern im System aus. Das System ist zudem durch ihre (mehr oder weniger durchlässige) Membran, als Abgrenzung zur Umwelt abgeschlossen.

Abbildung: 3 Systemische Kräfte
Der Fokus macht die Wirkkräfte sichtbar

Fokus auf das Individuum

Fokussieren wir zunächst auf das einzelne Element im System. Das Individuum, das seinen Platz im System hat. Ist dieser Platz sicher und frei? Ist das Individuum am richtigen Platz? Ist Geben und Nehmen über die Zeit ausgeglichen?

Mit diesem Fokus auf das einzelne Element werden die systemischen Prinzipien (und ihre Störungen) sichtbar.

Verwirrungen und Störungen können «behoben» werden, wenn sich die Individuen an ihrem guten Platz im System einfinden können. Ist zudem Geben und Nehmen ausgeglichen, beruhigt sich das ganze System.

Fokus auf die Muster

Rücken wir den Fokus weg vom Individuum auf die Interaktionen zwischen den Individuen, erscheinen die Muster. Sie bilden die geronnene Geschichte des Systems. Diese Muster sind Ressourcen und Qualitäten des Systems. Sie können jedoch auch dysfunktional werden und Entwicklungen stören. Gut, wenn diese bewusst gemacht, benannt und bearbeitet werden können.

Da gibt es auch nichts zu beheben, wie beim ersten Fokus! Hier geht es darum, unverdaute Geschichte zu integrieren und Muster zu erkennen und über die Zeit zu bearbeiten. Auch das ist eine grosse Erleichterung, weil ins kollektive Bewusstsein kommt, was die Beziehungen implizit belastet hat.

Fokus auf die Umwelt des Systems

Beim dritten Fokus richtet sich der Blick auf die Umwelt, der das System ausgesetzt ist. Unabhängig davon, wie aufkommende Zukunft im System bearbeitet wird, werden deren Kräfte im System spürbar. Was geht dadurch zu Ende? Wie nimmt das System disruptive Kräfte (z.B. digitale Transformation) auf?

Können wir die ganze Kraft des disruptiven Moments aufnehmen und uns transformieren?

Die Wirkweise der drei Kräfte

Im ersten Fokus ist die prägende Kraft die planbare Zukunft. Sie kann durch den Lösungsmodus des Systems aufgenommen werden.

Beim zweiten Fokus wird die Kraft aus der Vergangenheit spürbar. Sie wirkt oft stärker als die planbare Zukunft. Diese Kraft kann bewusst gemacht und über den Reflexionsmodus können die Ressourcen des Systems nutzbar gemacht werden.

Die dritte Kraft kommt aus der Zukunft, oft disruptiv, auf uns zu. Diese gilt es – oftmals vorerst intuitiv – zu antizipieren und anzunehmen. Dann ist sie Transformations-Impulsgeberin, die das Fortbestehen der Organisation ermöglicht.

So können die systemischen Kräfte ins tägliche Handeln von Teams und Organisationen eingebunden werden. Die Fokusse geben Orientierung für passende Interventionen. Und allein das Auseinanderhalten der Ebenen und Integrieren der systemischen Kräfte ins kollektive Bewusstsein wirkt tief – stärkend, befreiend und verbindend.

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