Eigengruppe und Fremdgruppen –
kulturelle Unterschiede im Führungsverhalten

Der General Manager war mit dem Abrechnungsformular für Spesen nicht sehr glücklich und bat den lokalen Finanzchef, ein anderes Spesenformular zu entwickeln. Als er zwei Wochen später sah, dass immer noch das alte Formular verwendet wurde, liess er den Finanzchef zu sich rufen und fragte ihn, warum es noch nicht geändert worden sei. Der Finanzchef erwiderte darauf, doch, er habe das Formular für die Personen in der Finanzabteilung geändert. Ob er das Gleiche auch für das ganze Unternehmen machen solle?

Kulturelle Unterschiede verstehen

Das Beispiel ist völlig trivial, zeigt aber die unterschwellige Art und Weise sehr schön auf, in der sich Kultur manifestiert. In einem westlichen Führungskurs oder in einem militärischen Umfeld hätte man die unklare Auftrags- oder Befehlserteilung kritisiert. Tatsächlich ist der Fall auch ein Beispiel für eine unklare Auftragsformulierung. Doch nur ein besseres Kulturverständnis hätte geholfen, den Auftrag klarer zu formulieren. Es hätte vom General Manager verlangt, dass er sich der grösseren Eigengruppe/Fremdgruppen Unterscheidung in China bewusst gewesen wäre. Die in China alles dominierende Präsenz der Eigengruppe hatte den Finanzchef dazu verleitet, den Auftrag nur für seine Finanzabteilung zu sehen und nicht für das gesamte Unternehmen. Zusätzlich dazu verleitet auch das Konkret-Pragmatische der asiatischen Kulturen zu einer schnellen, fallbezogenen Reaktion, die das umfassende Bild oft vergessen lässt.

Kultur ist ein weicher Faktor

Der Fall zeigt, wie weit kulturelle Einflüsse im Tagesgeschäft gehen und wie schwierig es ist, sie manchmal zu verstehen. Kultur ist ein weicher Faktor. Ihn im täglichen Handeln wahrzunehmen, ist oft nicht einfach und verlangt ein gutes Verstehen der Lokalkultur. Im Fehlen dieses Wissens liegt ein erster, wichtiger Grund für die Unterschätzung von anderer Organisationskultur. Die andere Schwierigkeit liegt im Kulturverständnis selbst. Immer wieder ist versucht worden, Kultur zu definieren. Die Versuche sind meist daran gescheitert, dass die Definitionen zu viele empirisch erhobene Merkmale aufwiesen.[1] Damit ging jedoch der Gesamtzusammenhang verloren.

[1] Siehe dazu z.B. das Werk von A.L. Kroeber und C. Kluckhohn: Culture – A Critical Review of Concepts and Definitions; Bibl.

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