Führungsstile und der Spielraum der Persönlichkeit

Wie muss ich sein, als Führungskraft? Der Sozialpsychologe Kurt Lewin beforschte das Verhalten von Führungskräften und stieß dabei auf drei Führungsstile: den autoritären, den kooperativen und den Laissez-faire-Führungsstil.

Unser gegenwärtiger Zeitgeist fordert den kooperativen Führungsstil

Aber es wäre natürlich töricht, miteinander zu diskutieren, wenn „das Kino brennt“. In Notsituationen muss schnell und entschlossen gehandelt werden. Deshalb empfehlen neuere Überlegungen, den optimalen Führungsstil von der je gegebenen Situation abhängig zu machen. Aber welchen Spielraum hat ein Mensch? Kann er in der Enge der Umstände, getrieben von seinen Affekten, „einfach so“ nach Zweckmäßigkeit frei wählen, wer oder wie er gerade jetzt sein „sollte“? Der Führungskraft bei der Beantwortung dieser Fragen zu helfen, soll das Ziel der folgenden Überlegungen sein.

Eine kleine Selbstbesinnung

Nehmen Sie sich ein wenig Zeit für diese drei Fragen:

  1. Was sind Sie für Einer oder Eine? Was sind Sie für ein Typ?
  2. Welches Problem haben Sie gerade als Führungskraft zu lösen? Welche Nuss haben Sie gerade zu knacken?
  3. Welche persönliche Handschrift entsteht dadurch, dass Sie es sind, der oder die diese Nuss zu knacken hat?

Das bei dieser kleinen Selbstbesinnung Gefundene ist Ihr Führungsstil in dieser Situation. In einer anderen Situation finden Sie wahrscheinlich andere Ihnen zur Verfügung stehenden Stile, mit denen Sie sich vertreten können.

Schon beim ersten Versuch entdeckt der so Fragende, dass ihm die Lewin’schen Stilkategorien bei der Alltagsbewältigung nicht helfen. Bei weiterem Nachdenken kann er bei sich selbst ein Repertoire alternativer Stile identifizieren und so einen Spielraum vorfinden, der ihm Wahlmöglichkeiten eröffnet.

Die Persönlichkeit eines Menschen ist ein Sammelsurium

Maskulin und feminin, väterlich und mütterlich, schüchtern und herausfordernd, schwatzhaft und schweigsam, zupackend und zimperlich, gescheit und dumm, ernsthaft und fröhlich, streng und verständnisvoll, freigiebig und sparsam, kritisch erzieherisch und unterstützend – all dies kann ein Mensch sein und natürlich noch viel mehr, je nachdem wie er sich dreht. Wer immer sich aufmerksam prüft, wird bei sich dieselbe Wandelbarkeit und Widersprüchlichkeit entdecken. Die Persönlichkeit ist ein Sammelsurium. Welch ein Fundstück auf der Suche nach etwas, von dem wir gemeinhin annehmen, es habe Eindeutigkeit!

Aus diesem Sammelsurium wählt der Mensch eine „Fassung“ aus und hält sie seinen Mitmenschen entgegen. Damit zeigt er sich eindeutiger als er ist. Intuition leitet den Menschen bei der Auswahl einer geeigneten Fassung, manchmal aber auch nüchternes Kalkül zur strategischen Vorbereitung einer Handlungsweise.

Beim Coaching einer ratsuchenden Führungskraft ist mir diese Unterscheidung wichtig: Das im persönlichen Repertoire Vorhandene wird bereits mehr oder weniger beherrscht. Legt man dem Ratsuchenden hingegen nahe, zur Lösung seiner Probleme Neues zu lernen, sinkt seine Erfolgswahrscheinlichkeit rapide. Denn in Schwierigkeiten zu stecken und für deren Bewältigung obendrein noch Neues ausprobieren zu sollen, das geht meist schief.

Zwei Führungsstile – Sie haben die Wahl

Den folgenden Gedanken liegt eine andere Sichtweise auf die Gender-Diversity-Debatte zugrunde. Maskulin oder feminin? Sie zeigen die eminente Bedeutung der Wahl eines geeigneten Führungsstils.

Wir finden feminine Eigenschaften hauptsächlich bei weiblichen Personen – aber auch bei Männern. Ebenso zeigen Männer meistens maskuline Verhaltensweisen – aber auch Frauen. Deswegen unterscheide ich das Maskuline vom Männlichen und das Feminine vom Weiblichen. Wir sehen das bspw. bei dem berechtigten Kampf der Frauen um ihre Rechte. Dieser Kampf wird zweckmäßigerweise hauptsächlich von Frauen mit maskulinen Begabungen geführt. Und zwar mit Erfolg. Umgekehrt kennt wohl Jeder Männer mit mütterlichen, also femininen Begabungen.

Welches aber sind nun markante Unterschiede zwischen maskulinem und femininem Führungsstil?

Hier eine Auswahl:

FemininMaskulin
Lässt die ganze Situation auf sich einwirken, weitgehend ohne Handlungsdruck.Zerteilt die Situation in Wichtiges und Unwichtiges und identifiziert den hot button, um zu agieren.
Kann warten und gären lassen, bricht nichts übers Knie.Interveniert schnell und ergebnisorientiert.
Es zählt die Stimmigkeit des Resultats.Es zählt die Logik.
Bereitschaft, Leid eine Weile zu ertragen.Impulsive Gegenreaktion, um die Krise zu überwinden oder gar zu leugnen.
Es passt oder es passt nicht.Es funktioniert oder es funktioniert nicht.
Harmonie und Integration.Wettbewerb, Erfolg, hierarchischer Ehrgeiz.

Es ist leicht einzusehen, dass manchen Problemen besser mit maskulinen Mitteln, anderen eher mit femininen Mitteln beizukommen ist. Notlagen, Kurskorrekturen bspw. sind eher maskulin zu bewältigen, Personalentscheidungen können ohne feminine Talente kaum gelingen. Dabei ist es weitgehend unerheblich, ob die jeweilige Führungskraft nun ein Mann ist oder eine Frau.

Mit diesem Beispiel zweier selten besprochener Führungsstile will ich es bewenden lassen. Wer wissen will, wann welche Stile in den verschiedenen Phasen eines Change-Prozesses gebraucht werden, der kann sich in dem Buch Mit Teamgeist führen schlau machen.