Im Schwarm: Was Führungskultur mit Zugvögeln zu tun hat

Im Schwarm: Was Führungskultur mit Zugvögeln zu tun hat

Gretchenfrage Kultur

Wer eine Führungsposition in einem Unternehmen übernimmt, unterschreibt damit, welche Aufgaben er oder sie künftig als Führungskraft verantwortet. Was in einem solchen Vertrag meist nicht steht: welche Kultur in der Organisation tatsächlich gelebt wird.

Kultur – das meint die Art und Weise, wie die beteiligten Menschen miteinander umgehen, welche Beziehung sie zueinander pflegen. Sie ist so vielfältig wie die Individuen – Gründer, Eigentümer, Führungskräfte und Mitarbeitende –, die in dem jeweiligen System zusammentreffen. Führungsarbeit bedeutet deshalb in erster Linie eines: tragfähige Beziehungen mit Menschen aufzubauen.

Hinschauen statt weggucken!

In Bezug darauf sollten Führungskräfte bereit sein, ihr Führungsverhalten genau anzuschauen: Ermöglicht es den Mitarbeitenden, sich wohlzufühlen und möglichst konfliktfrei und ohne Reibungsverluste motiviert ihre Leistung zu erbringen? Werden ihre Stärken gefördert und koordiniert, verbessert die Führungsarbeit ihr Zusammenspiel?

Mehr als alles andere braucht es dafür ein funktionierendes, gut harmonierendes Führungsteam, das die Unternehmenskultur positiv prägt und vertrauensvoll gemeinsam agiert. Und genau da kommen die Zugvögel ins Spiel …

Mit Schwarmintelligenz ans Ziel

Die charakteristische Flugformation von Wildgänsen sollte Führungskräfte interessieren: Durch die versetzte keilförmige Anordnung der Gänse im Windschatten zueinander sparen sie über ein Drittel der Energie, die nötig wäre, wenn sie allein fliegen würden – bis zu 1000 Kilometer am Tag! Die hinteren Vögel im Schwarm „hupen“ die vorderen Gänse, die hart im Wind fliegen, mit trompetenartigen Tönen an, um diese zu motivieren. Sobald die vorderen Gänse keine Kraft mehr haben, werden sie durch hinten fliegende Gänse ersetzt und die „Führungsgans“ lässt sich zur Erholung nach hinten fallen, bis die Anstrengungen auf alle Gänse im Schwarm gleichmäßig verteilt sind.

Ohne festgelegte Hierarchien, allein durch die ideale Interaktion Einzelner, finden Schwarmmitglieder immer wieder bessere und Ressourcen sparende Lösungen.

Die summative Kraft von Führung

Übertragen auf die Führung eines Unternehmens: Es geht darum, dass alle Führungskräfte als intelligenter Schwarm gemeinsam die vielfältige Palette an Aktionsmöglichkeiten nutzen, um Teammitglieder genauso wie Mitarbeitende zu motivieren und zu unterstützen.

Das Ergebnis ist hierbei mehr als die Summe der einzelnen Teile, und zwar besonders im Zusammenhang mit:

  • Denken – Wer fliegt gerade vorn und braucht die meiste Unterstützung?
  • Entscheidungen treffen – Soll das so bleiben, will ich anfeuern oder selbst nach vorne fliegen, um zu unterstützen?
  • Verantwortung übernehmen – Ich fliege nach vorne und führe.

Mehr erfahren?

Wie die systemische Führungskräfte-Entwicklung Menschen mit Führungsverantwortung dabei unterstützt, als Team in Formation zu gehen, beschreiben Mark Thiel und Heike Linnepe in ihrem neuen Buch „Systemische Führungskräfte-Entwicklung“. Die darin geschilderten Beispiele aus der Praxis machen Mut, nicht nur andere, sondern auch sich selbst besser führen zu lernen: durch Introspektion und den Aufbau einer tragfähigen, möglichst hierarchiefreien Beziehung zu den Teammitgliedern und Mitarbeitenden, durch sinnstiftende Visionen und in der Praxis gelebte Wertschätzung und Unterstützung aller.