Wo stehen wir? – Systemische Aufstellung in Führungsteams

Wo stehen wir? – Systemische Aufstellung in Führungsteams

Zeigen, was ist

Die systemische Aufstellungsarbeit ist heute nicht mehr auf therapeutische Tätigkeiten oder auf Familiensysteme beschränkt. Aufstellungen ermöglicht es auch in Organisationen und Teams, ein Bild zu schaffen von dem, was ist. Verborgene Dynamiken und Themen können durch eine Systemaufstellung in Echtzeit bewusst gemacht werden und ermöglichen damit einen Zugriff auf Informationen beispielsweise in Bezug auf Empathie und auch auf persönliche Verstrickungen.

„Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“, lautet ein chinesisches Sprichwort. Bei der Systemaufstellung entsteht ein sehr genaues Bild der infrage gestellten Situation. Dieses reduziert durch einfache Sichtbarkeit und auch Spürbarkeit im Raum die Komplexität psychosozialer Beziehungen in der Interaktion, wie sie in hochkomplexen Systemen wie Unternehmen und Organisationen vorkommen.

Systemaufstellung in hierarchischen Führungsteams

Die Systemaufstellung innerhalb von Führungsteams ist eine Variante im breiten Spektrum der Aufstellungsarbeit. Die Mitglieder des Teams oder mehrerer hierarchischer Führungsteams stellen sich dabei unter verschiedenen Fragestellungen im Raum auf.

Es geht in diesem Setting unter anderem darum, über entstehende Bilder im gemeinsamen Raum neue Erkenntnisse zu gewinnen. Systemische Aufstellungen machen so Unbewusstes, Ungesehenes und Unausgesprochenes in der Beziehungsstruktur von Teams sichtbar.

Hier stehe ich …

Es gibt dabei im Gegensatz zu Familien- oder Organisationsaufstellungen in der Regel keine Stellvertreter, sondern jeder steht für sich selbst. Es können so Beziehungsdynamiken deutlich erlebbar gemacht werden. Den Teilnehmenden wird im eigentlichen Wortsinn physisch deutlich, wo sie stehen, wie sie dort stehen, mit wem und inwiefern sie sich auseinandersetzen müssen oder wollen.

Mit Systemaufstellung dem Purpose auf der Spur

Neben den persönlichen Beziehungen innerhalb einer Gruppe von Menschen wird in Systemaufstellungen im Arbeitskontext auch häufig das Thema „Purpose“ mit aufgestellt – Purpose hier verstanden als evolutionärer Sinn einer Unternehmung. Aufgestellt in Bezug auf eine Organisation kann dieses Thema zu sehr interessanten Erkenntnissen führen, zum Beispiel zu Fragen wie: „Was ist gut für die Organisation, wo klemmt es und welche Chancen für Entwicklung kann es geben?“

Figuren als Stellvertreter

Die Aufstellungsarbeit mit Figuren als Stellvertreter eignet sich besonders gut für Menschen, die sehr viele Worte brauchen, um sich zu erklären. Manchmal verirren sie sich dann in der Sprache, geraten aufgrund der Vielfältigkeit der Emotionen auf andere Wege und verlieren das eigentliche Anliegen dabei aus den Augen. Die Figuren können stellvertretend für Personen, Themen und auch als eigene innere Teammitglieder aufgestellt werden.

Mehr erfahren?

Nicht selten macht sich zu Beginn einer Aufstellung von Teams im beruflichen Kontext eine leichte Verunsicherung im Raum bemerkbar. Bemerkungen wie: „Was soll das denn jetzt?“, „Wieso soll ich mich denn hier irgendwo hinstellen?“, „Ich kann nicht lange stehen“ weisen auf Unsicherheit und Angst hin. In ihrem neuen Buch „Systemische Führungskräfte-Entwicklung“ zeigen Mark Thiel und Heike Linnepe unter anderem, wie Systemaufstellungen in Führungsteams eingesetzt werden und wie mit dieser und ähnlichen Situationen im Beratungskontext umgegangen werden kann.