Achtsame Führung und Tugenden

Achtsame Führung und Tugenden

Achtsame Führung braucht ein Wertegerüst. Am besten bieten sich da die Tugenden, genauer die Kardinaltugenden an. Tugenden sind wie eine mentale Strassenverkehrsordnung. Sie geben uns Hinweise, wie wir uns auf den Wegen unseres Lebens verhalten sollen. Die Tugenden gehören zu den grossen Erkenntnissen der Menschheit.

In jeder Religion und Kultur finden sich Tugenden

Spannend dabei ist, dass sich die Inhalte kaum unterscheiden. In der abendländischen Philosophie kennen wir vier Kardinaltugenden. Der Begriff hat nichts mit Kardinälen zu tun, sondern kommt vom lateinischen «cardo», die Türangel. Es handelt sich also um die wichtigsten, die Grundtugenden: als erste wird die Weisheit oder Klugheit genannt. Wer klug ist, übernimmt quasi die anderen Tugenden automatisch.

Die zweite Tugend ist die Tapferkeit

Da wir heute nur noch wenig Ritterliches vorfinden, kann man die Tapferkeit in unseren Zeiten mit Autonomie oder Zivilcourage übersetzen. Die ist heute wichtiger denn je. Ich muss nicht zum Wohlgefallen anderer mit den Wölfen heulen, sondern ich handle nach meinem Gewissen, auch wenn ich unter Umständen damit ganz allein dastehe. Wer Zivilcourage zeigt, verhält sich autonom zur passiven oder aktiven Mehrheit. Daher ist auch und gerade für eine achtsame Führungskraft Zivilcourage ein wichtiges Attribut der Protektion der ihr unterstellten Personen. Das ist nicht immer einfach, ganz im Gegenteil. Die Realität besteht aus Bevorzu­gungen von Leuten, bestimmt durch die Sympathie und Antipathie. Karl Jaspers prägte den Satz «von der eigentümlichen Anziehungskraft, die alle Mediokrität aufeinander ausübt, weil sie sich wohlfühlt im Ausbleiben hoher Ansprüche«. Die Mehrheit, so Jaspers, fühle sich sicher in der Mas­se und meinte, daraus das Recht ableiten zu können, im Recht zu sein. Die Aufrechten hingegen seien in der Minderzahl. Der Mehrheit fehle nun ein klarer Kompass, weil bestimmte Glaubens­werte und Tugenden weggefallen sind.

Die dritte Kardinaltugend ist die Gerechtigkeit

Sie ist wichtig, weil sie mich zu solidarischem Handeln ermutigt. Gerechtigkeit meint nicht, dass wir alle gleich sein müssen. Aber sie sagt aus, dass wir niemanden ungerecht behandeln sollen.

Die vierte Grundtugend ist die Mässigung oder auch das Mass

Sie ist zu meiner Lieblingstugend geworden. Sie zeigt uns Mittelwege auf. Es geht um Selbstbeherrschung als Mittelweg zwischen Sexsucht und Stumpfheit, Verschwendung und Geiz, Tollkühnheit und Feigheit. Unser Ahne Theophrastus Bombast von Hohenheim, geläufig als Paracelsus bekannt, sagte bereits im 16.Jh., «allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei». So helfen uns die Kardinaltugenden durchs Leben. Dieser Vierklang aus den Kardinaltugenden bietet ein überschaubares Wertegerüst für achtsame Führung.

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